* Jim Jones: „And I can tell you the answer now, because I’m a prophet.“
Habe Gestern seit sehr langer Zeit mal wieder eine „Onlinepredigt“ gehört. Es handelte sich um die letzte „Predigt“ von Jim Jones (Deutsch/English). Mir hat der Name nichst gesagt, aber ein Nachmittag mit Google und Youtube haben mich in eine seltsame Welt einer Gemeinde eingeführt.
Jim Jones gründete 1956 in Indianapolis eine Kirche und nannte diese „Tempel des Volkes“ – Auf Englisch Peoples Temple (Deutsch/Englisch). Jones Kirche hatte pfingstlerische Wurzeln, Kontakte ins Weiße Haus und war recht angesehen in der Gesellschaft – also keineswegs irgendwelche Psychos. Die Gemeinde war sehr gemischt, kümmerste sich um die Menschen ausserhalb der Gesellschaft und war ein Ort, wo es keine Rassenunterschiede gab … in den 1960er eine echt krasse Sache – man könnte sogar „Schrill und Laut“ sagen.
Irgendwann zog die ganze Gemeinschaft nach Guyana um dort das „gelobte Land“ zu schaffen und in Frieden leben zu können. Sie zogen sich also aus der Gesellschaft zurück und lebten nur noch für sich in ihrer eigenen Welt.
Am 18. November 1978 überschlugen sich die Ereignisse in Jonestown und Jim Jones rief zu einer Versammlung auf, bei der er erklährte dass das Leben so nicht weitergeht und nun alle zusammen einen „revolutionärer Selbstmord“ begehen werden. An dem Tag starben 921 Menschen, darunter 276 Kinder. Von einem Selbstmord kann man nicht wirklich sprechen, da einige der Opfer Schusswunden hatten – und wie man auf dem Tape hören kann auch nicht sterben wollten.
Eins der Opfer, Christine Miller, versuchte Vergeblich wärend der Predigt die Leute zur Vernunft zu rufen … sie wurde einfach mit „billigen“ nachgesprochenen Sätzen zur Ruhe gebracht und starb warscheinlich noch wärend der Aufnahme – da sie relativ weit vorne sass und das Gift der reihe nach verteielt wurde …
Mich hat es echt zum nachdenken gebracht … viele Menschen suchen jemanden in ihrem Leben, der ihnen die Antworten auf die Fragen gibt, die eben das Leben an einem stellt. Der Ruf nach einem „König“ ist so alt wie die Menscheit selbst … man möchte jemanden haben, der einen die Entscheidung und auch die Verantwortung für das oft so komplizierte und komplexe Leben abnimmt – viele Menschen treffen gar keine Entscheidungen in ihrem Leben sondern folgen einfach den Weg, der vor ihnen liegt und den andere gegangen sind.
Mir ist wieder bewusst geworden, was ich an den Freaks und dem Konzil so wichtig finde … das jeder einzelne Gläubige auf Gott ausgerichtet sein muss, es gibt keine pauschale „Leitung“, die alle Antworten hat. Keinen Apostel, der sagt wo es langgeht und alle folgen ihm blind …
Meine Vision ist es, das Jesus Freaks aus mündigen Christen besteht, die genau Wissen was sie wollen und glauben … jeder einzelne für sich alleine, verbunden durch Jesus … Eins in Jesus und nicht Eins durch irgend etwas anderes.
So denn …die „Predigt“ wärend des Massen(selbst)mord kann man hier anhören und hier nachlesen. Ein guten aktuellen Bericht kann man hier noch nachlesen.
Eine englische Seite mit allen Infos findet man hier – sehr viele Hintergrundinfos und alle Predigtapes von Jones etc …

12 comments
Comments feed for this article
17. November 2008 um 10:31
Britta
krass!!!!!!!!!
Ich habe die Predigt gehört und auch etwas gegoogelt. In einer geo und der sueddeutschen sind auch grade Berichte drin.
Mich nimmt es total mit, dass ganz normale Menschen irgendjemand anderen, den sie als Father, Führer oder Apostel bezeichnen, einfach blind vertrauen und gehorchen.
Letze Woche hatte ich eine Fortbildung zu einem Workshop („Blue-eyed“ oder „Machtspiele“), in dem in 3-4 Stunden ein setting geschaffen wird, in dem auch ganz normale Leute, ob Schüler oder Manager, dirkriminiert und erniedrigt werden und nicht aus dieser Rolle hinaus kommen – auch sehr krass und beeindruckend – und vor allem erleuchtend.
Mittlerweile kann ich nachvollziehen, wie sich so ein System aufbauen kann und für Menschen in diesem System völlig logisch und folgerichtig erscheint.
Ich bin sehr froh, dass wir als freaks jetzt eine ziemlich antiautoritäre Struktur haben, bzw. Gott und kein einzelner Mensch unsere Autorität ist. auch wenn die neue Struktur bestimmt eigene Schwierigkeiten mit sich bringt.
Nach den Berichten über Jonestown wird mir aber ganz schlecht, wenn ich an diejenigen denke, die einen anderen Weg für sich gewählt haben.
Gut, dass wir wenigstens nicht völlig hilflos sind und beten und sie segnen können…
17. November 2008 um 16:00
bender
yo, wie meine vorrednerin schon sagt gibts gerade n glaubensspecial der geo wo da auch n langer artikel drüber drin ist… übrigens auch einer wo die jesus freaks drin vorkommen, der autor war dieses jahr auf dem stock und der JF-Teil ist echt positiv (zumal eine hier nicht näher genannte christliche hardcore band eine rolle spielt harhar)…
jonestown kenne ich „lustigerweise“ schon aus meiner kindheit weil mein vater ne platte hat wo da n lied zu drauf war…
concrete blonde haben auch was zu dem thema…
auf jeden fall ne heftige geschichte… gabs ja später noch ein paar… waco z.b. …
18. November 2008 um 14:11
Martin Dreyer
Bender ist das die aktuelle Ausgabe?
18. November 2008 um 15:02
Britta
@ Martin:
Ichantworte mal:
So wie ich das im Netz gesehen habe, ist es die aktuelle Geo konkret / kompakt ??? irgendetwas mit k, aber die aktuelle.
Wollt ich mir auch noch kaufen.
ach ja:
Über die Unsichtbar hatt ich auch schonmal was gehört….
stell ich mir echt komisch vor.
18. November 2008 um 15:42
bender
die hier ist das:
http://www.geo.de/GEO/heftreihen/geokompakt/58141.html
18. November 2008 um 19:01
Mirko
Heute ist im einestages bei spegel.de auch ein sehr guter Artikel darüber:
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/3158/grauen_im_garten_eden.html
19. November 2008 um 08:55
Skabine
Hallo Mirko,
ich kenne dich nicht persönlich lese aber regelmäßig deinen Blog (ich war früher mal ein Teil der Freak-Gemeinde).
Über Jim Jones habe ich das erste Mal in einem Krimi von Henning Mankell gelesen (Die Brandmauer). Zuerst dachte ich, es wäre nicht möglich Menschen so zu manipulieren, aber die Geschichte der Menschheit zeigt, dass sowas immer wieder möglich ist.
Viel Segen dir weiterhin!
22. November 2008 um 18:11
Peter
Warum kommen wir nur immer wieder zu dem Ergebnis, die richtige Antwort auf „falsch“ sei „gar nicht“? Die richtige Antwort auf „falsch“ muss aber „richtig“ lauten! Falsche Leiterschaft sollte also nicht mit dem Abschaffen von Leitung beantwortet werden, weil das nur ein Leitungsvakuum erzeugt, was sich in der ganzen Menschheitsgeschichte bis heute noch nie bewährt hat. Es geht vielmehr darum, richtige Leiterschaft zu entwickeln.
Die Bibel zeigt uns sehr unterschiedliche Leitungsstile, aber diese basieren auf jeweils zwei gegensätzlichen Grundformen von Leiterschaft : autoritärer Leiterschaft oder dienender Leiterschaft.
Ein autoritärer Leiter braucht Menschen, um seine Ziele zu erreichen. Ein dienender Leiter hat seinen Blick auf Gott ausgerichtet und dient den Menschen, indem er diese daran beteiligt, Gottes Ziele zu erreichen.
Wir brauchen ganz sicher keine Könige als Leiter, aber wir brauchen diende Leiter, die sich in andere investieren. Am besten mal Matthäus 20,25.26ff anschauen.
Gruß und Segen
Peter
24. November 2008 um 20:23
Jocky
Kann mich dem Peter nur anschließen.
Ist natürlich horrent, was da passiert, wenn einzelne Menschen soviel Macht bekommen und das schamlos ausnutzen. Es braucht Kontrollinstanzen, die sowas verhindern.
Aber nur weil etwas falsch gemacht wurde, es gar nicht erst richtig zu probieren, halte ich für fatal.
Wenn es keine Leiter gibt, entsteht ein Vakuum. Und geleitet wird immer. Irgendeiner füllt dieses Vakuum, wenn es nur derjenige ist, der am Lautesten schreit oder die größten Ellenbogen hat. Und ob das die beste Lösung ist, ist äußerst fragwürdig!
Das beunruhigt mich ungemein, wenn ich unsere Bewegung anschaue, dass da soviel passiert (bzw. nicht passiert) aus Verletzung heraus… „Das und das ist falsch gelaufen, deswegen lassen wir die Finger davon und machen es gleich gar nicht…“ Das dürfte der schlechteste Motivator für meine Handlungen sein!
Gott mit uns!
Segen
Jocky
25. November 2008 um 09:18
Micha/JF Chemnitz
@peter, @jocky
also, so ganz zutreffend ist das nun auch wieder nicht.
Geht ja nicht drum, keine Leitung mehr zu haben.
25. November 2008 um 12:05
anjathered
Eben. Geht ja gerade drum, zu schauen, wie Leitung richtig funktionieren kann.
Durch gegenseitiges Bevollmächtigen beispielsweise. Durch Wege, bei denen nicht der Lauteste oder der mit den spitzesten Ellbogen vorneweg prescht, sondern auch die Hinterbänkler, die über Jahre und Jahre und Jahre treue, gute Arbeit tun, miteinbezogen werden. Wenn’s um ne Bewegung geht, ist die Frage ja nicht, wie oder wer leitet eine Gemeinde? (Gemeinde, was ist das überhaupt?), sondern, wie und wer leitet die Leiterinnen und Leiter der Gemeinden?
Kann nicht sagen, dass ich da ne Antwort drauf hätte. Aber ich weiß, dass ich ungemein beruhigt bin, wenn ich zur Zeit unsere Bewegung anschaue. Weil Wunden anfangen zu heilen – endlich.
27. November 2008 um 14:11
Martin Dreyer
Das ist in etwas so, als wenn du sagen würdest: Fahradfahren ist ungesund, weil du jemanden kennst, der bei einem Fahradunfall gestorben ist.
Es gibt eine Art Fahrad zu fahren, die definitv nicht gesund sein kann. Trotzdem kann man nicht von ein paar ganz schlimmen Unfällen dadrauf schließen, dass es generell gefährlich ist.
Das Problem liegt glaub ich vor allem in der Mündigkeit der einzelnen Christen. Wären die Gemeindemitglieder von obiger Gruppe dazu angehalten und gelehrt worden, selbst Gott zu fragen, selbst nachzudenken, selbst ihre Bibel zu lesen, selbst zu prüfen, wäre so was nie passiert.
Aber auch eine demokratisch geführte Gruppe, kann in die Irre geleitet werden. Siehe „Bader Meinhof Bande …. Der Film ist übrigens echt beeindruckend.